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Schritt für Schritt zu besserer Wasserqualität

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08.01.2026 | von Johanna Mandl, BEd

Viele Betriebe in Niederösterreich beziehen ihr Wasser aus hauseigenen Quellen und Brunnen. Besonders bei der Erzeugung von Milch ist hier jedoch Vorsicht angesagt. Schnell kann es zu bakteriellen Verunreinigungen kommen. Doch wie entstehen solche Verunreinigungen überhaupt, welche Maßnahmen sind dagegen wirksam und worauf können Betriebe beim Schutz ihrer Wasserversorgung achten?

Brunnen_IMG_0845(c)Paula Pöchlauer-Kozel-LK Niederösterreich.jpg © Paula Pöchlauer-Kozel/LK Niederösterreich
© Paula Pöchlauer-Kozel/LK Niederösterreich

Wasserqualität regelmäßig überprüfen

Jede Tierhalterin und jeder Tierhalter kennt sie – die regelmäßigen Kontrollen durch den Amtstierarzt. Bei Milchviehbetrieben kommt dabei auch immer eine Milchhygiene-Checkliste zum Einsatz. Seit der jüngsten Überarbeitung muss die Wasserqualität wieder regelmäßig nachgewiesen werden. Alle drei Jahre ist eine mikrobiologische Untersuchung verpflichtend.

Bei Direktvermarktungs- und Verarbeitungsbetrieben muss jährlich eine volle Trinkwasseruntersuchung durchgeführt werden. Die Ergebnisse müssen dabei stets in Form eines schriftlichen Befundes vorliegen und den Grenzwerten für Trinkwasser entsprechen. Für Milcherzeugerbetriebe reicht eine mikrobiologische Wasseruntersuchung. Im Idealfall zeigt die Analyse keinen der entscheidenden fünf mikrobiologischen Parameter – diese werden, ähnlich wie die Keimzahl in der Milch, in Anzahl pro Milliliter bzw. 100 Milliliter angegeben. Werden jedoch Indikatorwerte wie KbE 22, KbE 37 oder coliforme Keime erreicht beziehungsweise überschritten, deutet das auf eine Verunreinigung des Wassers hin.

Woher kommen die Keime?

  • KbE 22 stammen überwiegend aus der Umwelt und gedeihen besonders gut bei Temperaturen bis 22 °C. Häufen sich diese Keime, muss geklärt werden, ob sie bereits in der Umwelt vorhanden waren oder ob sie sich im Leitungs- und Speichersystem stark vermehren – etwa durch Begleitheizungen oder stehendes Wasser.
  • KbE 37 und coliforme Keime kommen im warmblütigen Tier, also auch im Menschen, vor und gelangen über tierische oder menschliche Einträge ins Wasser.
Coliforme Bakterien können sich außerdem in Wasserfiltern und Aufbereitungsanlagen (z. B. Entkalkung, Entmineralisierung) festsetzen. Deshalb wird bei der Installation solcher Systeme häufig eine zusätzliche Wasserdesinfektion empfohlen. Bei sorgfältiger Wartung kann darauf jedoch verzichtet werden.
Wassertropfen.jpg © pixabay.com
© pixabay.com

So geht es Keimen an den Kragen

Ohne Aufbereitungsanlage ist eine dauerhafte Desinfektion, etwa mittels UV-Anlage oder Chlorung, oft die letzte Möglichkeit, die mikrobiologische Wasserqualität zu verbessern. Nachhaltiger ist jedoch häufig eine bauliche Sanierung mit anschließender professioneller Reinigung und Desinfektion.
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Eine regelmäßige Untersuchung gibt Aufschluss über die Qualität des eigenen Trinkwassers. © LfL OÖ

Kritische Keime: E. coli und Enterokokken

Werden in einer Wasserprobe E. coli oder Enterokokken nachgewiesen, besteht sofortiger Handlungsbedarf. Diese Keime stammen aus fäkalen Verunreinigungen und können Erkrankungen verursachen. Die Eintragsquelle – häufig in der Fassungszone, im Leitungssystem oder im Wasserspeicher – muss rasch identifiziert und beseitigt werden.

Typische Ursachen sind:
  • unbefestigte Düngestätten,
  • Oberflächenwasser, das über undichte oder unzureichend geschützte Brunnen eintritt,
  • tierische Verunreinigungen im Brunnenschacht.
Für Betriebe mit bakterieller Belastung wird derzeit eine Selbstcheckliste zur systematischen Kontrolle der eigenen Wasserversorgung erarbeitet.

Verunreinigungen vermeiden – aber wie?

Der Bereich rund um den Brunnen ist entscheidend für die Wasserreinheit. Hier gilt es alle schädlichen Einflüsse auf das Grundwasser zu vermeiden. Bei Quellen ist das gesamte Quellfassungsgebiet im Auge zu behalten.
  • Tiere auszäunen: Weide- und Kleintiere (z.B. Hühner) nicht in unmittelbarer Nähe des Brunnens halten
  • Gülle, Jauche und Stallmist: weder lagern noch ausbringen
  • Grabungen und Wegebau vermeiden: Die Fassungszone frei von Baumbewuchs halten und in einem Radius von 5 bis 10 m um den Brunnen keine Bäume und Sträucher wachsen lassen
  • Dachwasser nicht in den Brunnen einleiten, sonst gelangen Bakterien und Schadstoffe ungefiltert ins Brunnenwasser
  • Mistablagerungen jeder Art beim Brunnen oder im Quellschutzgebiet entfernen

Regelmäßige Kontrollen durchführen

Mit einem sorgfältigen Blick und einfachen Reinigungsarbeiten lassen sich manche Probleme vermeiden. Besonders die Bereiche im und um den Brunnen, aber auch der Wasserbehälter selbst, sollten gecheckt und gereinigt werden. Hier einige Tipps, worauf bei den betriebsinternen Kontrollen geachtet werden kann.

To-Do´s beim Kontrollgang

  • Schwimmende Gegenstände von der Wasseroberfläche entfernen und die Ursachen beseitigen (bei Schachtbrunnen und Quellen).
  • Schlamm an der Brunnensohle entfernen (bei Schachtbrunnen).
  • Unmittelbare Umgebung kontrollieren. Gibt es Ablagerungen, Aufgrabungen etc.
  • Dichtheit der Einstiege kontrollieren. Sind die Lippendichtung, die Fuge zwischen Deckelrahmen und Betonabdeckung, die Entlüftung und das Insektengitter intakt. Gibt es Roststellen.
  • Schacht und Behälter kontrollieren. Eingedrungene Kleintiere entfernen, Ursache finden und beseitigen.
  • Kontrolle und Reinigung des Filters. 
  • Funktion der Aufbereitungsanlage überprüfen.
  • Bei vorhandener Entwässerung des Vorschachts:  Funktion kontrollieren (bei Schlag- bzw. Bohrbrunnen und Quellen).
  • Entlüftung des Brunnenkopfes auf Durchlässigkeit prüfen (bei Bohrbrunnen).
  • Überlauf und Froschkappe: Funktion beider Elemente kontrollieren (bei Quellen).
  • Bauliche Kontrolle vorhandener Einzäunungen.
  • Schacht- oder Behälterwand: Sichtkontrolle auf Schäden und Abrinnspuren.
  • Windkessel: Wenn vorhanden, kontrollieren und reinigen.
  • Umgebung des Wasserspenders (Schutzgebiet): Begutachtung des Gebietes auf negative Einflüsse (Stallmistlager, Wildfütterungsstelle, Nutzungsänderung etc.)
DSC04705.jpg © Christoph Zaussinger/LK Oberösterreich
Es darf auf keinen Fall ohne entsprechende Fachkenntnis eine Brunnen- bzw. Behälterdesinfektion selbst durchgeführt werden. © Christoph Zaussinger/LK Oberösterreich

Was ist bei bakteriellen Verunreinigungen zu tun?

Wird eine Verunreinigung nachgewiesen, sollte zuallererst die Fehlerquelle gefunden werden. Ist alles intakt?

Das Einzugsgebiet und das Umfeld sind nicht intakt
Hierbei sollte das Gebiet gesäubert werden. Es sollten sich keine Bäume und Sträucher im Radius von 5 m rund um den Brunnen befinden, damit keine Verwurzelung des Schachtes stattfindet. Viehweiden sollten sich nicht in der Nähe des Einzugsgebiets befinden, und müssen nach Möglichkeit umzäunt werden. Große Grabungsarbeiten im Quelleinzugsgebiet sind zu vermeiden.

Der Brunnen oder Behälter ist nicht intakt
In diesem Fall ist eine Sanierung des Brunnens oder Behälters vorzunehmen. Leicht zugängliche und oberflächliche Schäden, wie z.B. Deckel oder das Insektengitter, können bei entsprechendem technischem Verständnis von Landwirt:innen selbst durchgeführt werden. Bei größeren Baumaßnahmen sollte stets ein Brunnenbaumeister zu Rate gezogen werden. Jedenfalls vom Profi sollten Baumaßnahmen durchgeführt werden, welche es erfordern, in den Brunnen zu steigen, denn dabei kann Erstickungsgefahr herrschen.

Der Brunnen oder Behälter ist baulich intakt
Es muss eine Desinfektion durch geschultes Fachpersonal durchgeführt werden. Brunnenwärter:innen können eine Ausbildung zur Brunnen- bzw. Behälterdesinfektion haben. Es darf auf keinen Fall ohne entsprechende Fachkenntnis eine Brunnen- bzw. Behälterdesinfektion selbst durchgeführt werden. Es besteht die Gefahr einer Vergiftung durch bei der Desinfektion freigesetztes Chlorgas, außerdem benötigt es Sachkenntnis, um sowohl das Desinfektionsmittel als auch das Neutralisierungsmittel richtig zu dosieren.

Wenn die Verunreinigung nicht aus dem Brunnen, sondern aus dem Leitungssystem stammt
Es ist eine Reinigung und gegebenenfalls eine Sanierung des Leitungssystems vorzunehmen, dabei sollten tote Wasserleitungen (Stichleitungen, welche nicht mehr oder nur selten in Verwendung stehen) abgesperrt werden. Eine Desinfektion des Leitungssystems z.B. mit Chlor ist zu bedenken.

Wenn die direkten negativen Einflüsse auf die Wasserqualität überprüft und möglichst beseitigt wurden, sollten im nächsten Schritt, je nach Notwendigkeit, Reinigungs-, Reparatur- oder Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt werden, um die Wasserqualität dauerhaft zu sichern.

Links zum Thema

  • Wasseruntersuchungsbefund für amtliche Milchhygienekontrollen Ein Wasseruntersuchungsbefund ist bei Milchhygienekontrolle vorzuzeigen. Wie dieser auszusehen hat und wann eine mikrobiologische Untersuchung notwendig ist, erfahren Sie hier.
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