Apfeltriebsucht: Können resistente Wurzeln schwere Schäden verhindern?
Apfeltriebsucht wird durch das Phytoplasma Candidatus Phytoplasma mali verursacht. Der Erreger ist ein zellwandloses Bakterium welches in den Siebröhren (Phloem) des Baums lebt und hauptsächlich durch Blattsauger übertragen wird. Einmal infiziert, bleibt der Baum dauerhaft Träger des Phytoplasmas, da es im Wurzelsystem überwintert und im Frühjahr erneut in die oberirdischen Pflanzenteile aufsteigen kann. Auch wenn die Bäume nicht absterben, es kann immer wieder zu symptomatischen Ausbrüchen kommen und der Erreger kann sich über Wurzelverwachsungen in der gesamten Anlage ausbreiten. Zusätzlich kann auch die Ausbreitung über Blattsauger stattfinden.
Symptome
Typische Ausprägungsmerkmale von Apfeltriebsucht sind:
Im Moment stehen hauptsächlich vorbeugende Maßnahmen zur Verfügung; wie ausschließlich gesundes Pflanzgut in die Anlage einzubringen und Infektionsquellen zu entfernen. Der Erreger selbst lässt sich mit Pflanzenschutzmitteln nicht behandeln und Insektizidbehandlungen gegen den Überträger zeigen in der Praxis keine ausreichende Wirkung.
- Der sogenannte Besenwuchs (büschelartige Verzweigungen der einjährigen Triebe)
- Auffallend vergrößerte Nebenblätter, welche zusätzlich gezahnt sind
- Frühzeitige Rotfärbung einzelner Baumpartien oder ganzer Bäume im Herbst
- Kleine, qualitativ minderwertige Früchte
Im Moment stehen hauptsächlich vorbeugende Maßnahmen zur Verfügung; wie ausschließlich gesundes Pflanzgut in die Anlage einzubringen und Infektionsquellen zu entfernen. Der Erreger selbst lässt sich mit Pflanzenschutzmitteln nicht behandeln und Insektizidbehandlungen gegen den Überträger zeigen in der Praxis keine ausreichende Wirkung.
Warum die Unterlage entscheidend ist
Während bisher davon ausgegangen wurde, dass alle gängigen Apfelunterlagen gleichermaßen anfällig sind, zeigen Beobachtungen und Versuche, dass dies nicht uneingeschränkt zutrifft. Zwar ist eine echte Resistenz gegen Apfeltriebsucht selten, doch offenbar gibt es Unterlagen, bei denen sich das Phytoplasma nicht dauerhaft im Wurzelsystem etablieren kann, oder der Befall nicht zu schweren Symptomen im Kronenbereich führt. Da das Phytoplasma den Winter im Wurzelbereich überdauert, ist genau dieser Pflanzenteil entscheidend für den langfristigen Krankheitsverlauf. Gelingt es dem Erreger nicht, sich dort zu halten, kann er beim jährlichen Phloem-Neubildungsprozess im oberirdischen Bereich verloren gehen.
Neue Beobachtungen aus Praxis und Forschung
Eine Resistenz gegen Apfeltriebsucht ist äußerst selten und die Züchtungen resistenter Unterlagen gehen auf eine spezielle Selektion aus einer asiatischen Wildapfelart (Malus sieboldii) zurück. Über ein Züchtungsprogramm des JKI (D), RLP AgroScience (D) und dem Instituto Agrario di San Michele (I) wurden verschiedene Unterlagen über Jahre hinweg gezüchtet und auf ihre Merkmale geprüft. Die bisher selektierten Unterlagen werden einerseits für ihre Eignung im Erwerbsanbau geprüft, andererseits auch für den Streuobstanbau. Gerade im Streuobstanbau ist die Apfeltriebsucht weit verbreitet, auch wenn die Bäume oft keine eindeutigen Symptome zeigen. Befallene Bäume reagieren zum Beispiel stärker auf Trockenheit als gesunde Bäume. Sie sind dennoch eine entscheidende Infektionsquelle! Wichtig wären gegen Apfeltriebsucht resistente Unterlagen nicht nur für Streuobstbäume sondern auch für Reiserschnittbäume, um weiterhin unkontaminierte Reiser zur Sortenvermehrung produzieren zu können!
Was bedeutet das für die Praxis?
- Apfeltriebsucht bleibt eine nicht heilbare, aber nicht zwangsläufig tödliche Krankheit.
- Die Schwere des Krankheitsverlaufs hängt wesentlich davon ab, ob das Phytoplasma im Wurzelsystem überleben kann.
- Tolerante oder resistente Unterlagen könnten künftig helfen, Ertrags- und Vitalitätsverluste deutlich zu reduzieren.
- Die starkwüchsige Unterlage D2212 ist bereits am Markt erhältlich und zeigte in den Versuchen eine gute Eignung für den Streuobstanbau.
Fazit
Während die Apfeltriebsucht lange als kaum beeinflussbar galt, zeigen neue Erkenntnisse, dass die Wurzel über den Krankheitsverlauf entscheidet. Resistente oder tolerante Unterlagen eröffnen neue Perspektiven für einen aussichtsreichen Umgang mit der Krankheit als sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen vorbeugenden Maßnahmen.