Wohlfühlort für Generationen
Im vom Stallgebäude getrennten Wohnhaus leben vier Generationen unter einem Dach. Darüber hinaus vermietet die Familie drei Ferienwohnungen, in denen Gäste die besondere Atmosphäre des Bregenzerwaldes genießen können. Schwarzenberg ist nicht nur für seine beeindruckende Landschaft bekannt, sondern auch für seine vielfältigen Kulturveranstaltungen, seine herzliche Gastfreundschaft und insbesondere für seine ausgezeichnete Kulinarik. Diese regionale Genusskultur prägt auch das Leben und Arbeiten der Familie Schweizer. Im Jahr 2024 hat Tobias Schweizer mit seiner Frau Carolin den Hof von seinen Eltern übernommen, sprich gepachtet.
Wie in vielen bäuerlichen Familien üblich, stehen ihm aber seine Eltern jedoch weiterhin mit viel Engagement und Erfahrung zur Seite und arbeiten tatkräftig im Betrieb mit.
„Kulinarikbetrieb“
Gemeinsam führen sie den Hof mit großer Leidenschaft und verbinden Tradition mit einer modernen, zukunftsorientierten Landwirtschaft. Im Stall werden 35 Milchkühe, rund 15 Stück Jungvieh sowie einige Hühner und Hasen gehalten. Der Heumilchbetrieb hat sich auf die Produktion hochwertiger Milch spezialisiert, die an die Sennerei Alpenkäse Bregenzerwald geliefert wird. Tobias war bis vor einem Jahr selbst als Senner auf der Alpe tätig und weiß daher genau, worauf es bei der Herstellung von hochwertigem Käse ankommt. Durch seine langjährige Erfahrung als Senner verfügt er über umfassendes Fachwissen. Für seine Käsespezialitäten wurde er vor 2025 bei der Schwarzenberger Käseprämierung sogar als Tagessieger ausgezeichnet.
Auch sein Bruder Jonas wohnt noch am Hof. In seiner Freizeit hat er sich auf die Herstellung hochwertiger Cider und Moste spezialisiert, die er unter dem Namen „101-Sparkling “ vermarktet – eine Anspielung auf die Hausnummer des Betriebes. Neben Bergkäse, Eiern, Marmeladen, Honig, geriebenem Käse, Tee, Müsli und Bauernschnaps werden im hauseigenen Hofladen zahlreiche weitere Produkte aus der Region angeboten. Von diesen Spezialitäten profitieren auch die Gäste, die ihren Urlaub am Bauernhof im Schweizer-Hof verbringen. Dafür stehen drei Ferienwohnungen zur Verfügung. Mit der Übernahme des Betriebes musste im Jahr 2024 auch ein neuer Stall errichtet werden – allerdings nicht freiwillig. Eine verheerende Brandkatastrophe zerstörte den erst 2005 neu erbauten Stall vollständig, sodass erneut ein Stall gebaut werden musste.
Glück im Unglück
Ursache des Feuers war ein elektrischer Defekt im Heubelüftungssystem. „Wir saßen gerade mit der Familie hinter dem Haus, als uns die Nachbarn zuriefen, dass Rauch aus dem Stall aufsteige. Wir konnten gerade noch die Tiere und die Maschinen retten, denn innerhalb von vier Minuten stand der gesamte Stall in Vollbrand“, erinnert sich Tobias. „Das sind Momente, die man nicht erleben möchte“, so Carolin.
Glücklicherweise konnte man die ganzen Tiere in einem leerstehenden Stall in der Nähe unterbringen und dort dann während der Bauarbeiten versorgen. Da es sich um einen Brandfall handelte, wurde die Planung von der Abteilung Landwirtschaft und ländlicher Raum des Landes Vorarlberg übernommen. Georg Ammann heißt der Planer, der ebenfalls schon sehr viel Erfahrung in diesem Bereich hat. Die Ausschreibungen und die begleitende Planung wurden von Daniel Muxel, dem Leiter der Bauabteilung der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, ausgeführt. Innerhalb eines Jahres sollte die Brandruine abgetragen, die Planungen durchgeführt und der Stall neu aufgebaut werden. Gesagt, getan.
„Eigentlich mussten wir vom Stall her nicht allzu viel planen, denn wir hatten ja erst 2005 einen neuen Stall geplant und dieser Plan war immer noch gut. Zum Glück wurde auch der vordere Bereich, der Anbau des Stalles, wo die Milchkammer, der Kälberstall und der Milchstand untergebracht waren, vom Brand nicht zerstört. Wir konnten also auf den Plänen von 2005 aufbauen“, so Tobias.
Herzenswunsch
Ein Herzenswunsch konnte aber doch zusätzlich umgesetzt werden, nämlich eine Maschinenhalle. „Maschinen sind teuer und müssen gut gepflegt werden. Wenn sie dann noch in einer Halle stehen, sind sie auch den Witterungen nicht so ausgesetzt und halten länger. Deshalb war es mir wichtig, beim neuen Stall eine Maschinenhalle zu errichten“, so Tobias. Im Prinzip wurde der alte Stall neu aufgebaut, aber höher, damit eine Zwischendecke eingezogen werden konnte. In diesem Zwischenstock steht jetzt die Maschinenhalle und darunter sind die Kühe.
Die Maschinenhalle ist aber zum Stall lichttechnisch offen, damit die Kühe weiterhin genug Tageslicht abbekommen. Zudem sind die zwei großen Stalltore sehr lichtdurchlässig. „Wir wollten auf keinen Fall den Kuhkomfort verringern, denn schließlich müssen sich auch die Kühe bei ihrer ‚Arbeit‘ wohlfühlen“, so Carolin. „Für die Zwischendecke mussten wir relativ viel Zement anmischen“, erklärt Tobias, „damit die Kühe auch sicher sind“. Dafür wurden 200 Kubikmeter Beton und 100 Tonnen Eisen verbaut. Der Stall kann über die ganze Länge von circa 40 Metern maschinell befahren und auch mit dem Heukran erreicht werden, was die Arbeit sehr erleichtert. Auch eine neue Heubelüftungsanlage sorgt für gutes Futter. Im Stall werden derzeit auch noch einige Hühner gehalten, aber das neue Hühnerhäuschen ist fast bezugsfertig, worauf sich vor allem die Kinder freuen. Auch der Kälberbereich wurde neu gebaut und sobald im Herbst die neuen Kälber kommen, können sie sich über weitaus mehr Platz wie bisher freuen. Derzeit dient der neue Kälberbereich allerdings noch als Garage für die Traktoren und Hoffahrzeuge der Kinder.
Massive Decke
Als unsere Freunde und Bekannten gesehen haben, wie viel Beton wir für die Zwischenwände und Fundamente verarbeitet haben, wurden wir anfangs teilweise für verrückt erklärt. Auch die Höhe des Stalls sorgte bei manchen für Verwunderung. Doch wenn man das Gesamtprojekt heute sieht, sind wir unglaublich stolz auf das, was hier entstanden ist, und die Anerkennung, die wir dafür bekommen, freut uns sehr.
Rekordbauzeit
Da man sich grundsätzlich schon einig war, wie der neue Stall ausschauen sollte, ging das Ganze relativ rasch. Im September 2024 begannen die Planungen und Besprechungen und bereits im April 2025 konnte das erste Heu im Heulager untergebracht werden. Nach dem Alpsommer konnte dann der Stall auch von den Tieren bezogen werden. „An dieser Stelle möchten wir vor allem Georg und Daniel für die ausgezeichnete Betreuung und Planung danken und dass alles so schnell über die Bühne gegangen ist. Auch den ganzen Baufirmen und Handwerkern, die uns bei der Wiederaufrichtung des Stalles geholfen haben, gilt ein herzliches Dankeschön“, erklären Carolin und Tobias. Jetzt bleibt noch die Frage, wie es mit dem Sennen weitergeht.
Tobias lacht und sagt: „Wir hatten in den vergangenen Jahren so viel Arbeit und Stress am Betrieb – auch durch den Neubau, dass ich beschlossen habe, nun für einige Jahre zu pausieren. Auf dem Hof gibt es ohnehin genug zu tun, zumal ich mittlerweile im Vollerwerb arbeite. Jetzt möchte ich einfach beobachten, wie sich alles weiterentwickelt. Aber wer weiß – vielleicht wird es irgendwann wieder eigenen Käse vom Betrieb geben.“
Genusskeller
Zur Zeit wird der schöne Käsekeller und die dazugehörenden Räumlichkeiten von Jonas für die Produktion seiner edlen Tropfen verwendet. Wenn man den neuen Stall heute von innen und außen besichtigt, kann man nur sagen, dass ein wirklich beeindruckender Neubau entstanden ist, der sämtliche Arbeitsabläufe optimiert, und sich auch architektonisch schön ins Landschaftsbild einfügt.
Energieautonomie
Auf dem Dach wurde zudem eine leistungsstarke Photovoltaikanlage mit 81 KWp errichtet, womit der gesamte Betrieb mit Energie versorgt werden kann. Weiters hat Tobias einen Speicher mit 161 KWh eingebaut, mit dem im Notfall der ganze Betrieb für einen Tag aufrecht erhalten werden kann.
„Mit der modernen Maschinenhalle, dem großzügigen Laufstall, in dem sich die Tiere sichtlich wohlfühlen, dem großen Heulager, dem neuen Kälberbereich, dem Melkstand sowie dem Abkalbebereich ist eine zukunftsorientierte und funktionale Hofanlage geschaffen worden. Alles in allem sind wir glücklich über diesen tollen Stall. Es ist ein Ort geworden, an dem man jeden Tag gerne zur Arbeit geht“, fasst Tobias abschließend zusammen.
Bauinfos:
- Bauherren: Tobias und Johann Schweizer, Schwarzenberg
- Neubau Stall
- 35 Milchkühe, 15 Stück Jungvieh
- Haupterwerb
- 30 Hektar Grünland (ein Teil in Pacht) und zwei Hektar Wald
- Urlaub am Bauernhof
- 81 KWp Photovoltaik mit Speicher 161 KWh
Georg Ammann, Abteilung Landwirtschaft und ländlicher Raum, Land Vorarlberg
LK Ausschreibung:
Daniel Muxel, LK Vorarlberg
Partnerfirmen:
- Baumeister: Wälderbau Schwarzenberg
- Zimmermeister: Hubert Meusburger, Schwarzenberg
- Dachdecker: Peter Dach, Schwarzenberg
- Aufstallung: Firma Winder, Bildstein
- Erdarbeiten: Firma Felder Mellau
- Photovoltaikanlage: Green Future, Au
- HSR-Heutrockung, Salzburg