„Ohne euch würde dieses Land nicht funktionieren“
Beim Bundesbäuerinnentag (BBT) am Donnerstag vergangener Woche im Montforthaus in Feldkirch: Eine Gruppe von Niederösterreicherinnen unterhielt sich in der Pause. „Wir nehmen von diesem Treffen so viel mit! Es ist ein wahres Kraftpaket“, schwärmte eine Bäuerin, die wie fast alle ihrer 750 anwesenden Berufskolleginnen eine Tracht trug. „Die Veranstalterinnen verdienen ein riesiges Lob“, sagte eine weitere. Die Bäuerinnen aus Kärnten posteten noch am selben Vormittag auf Instagram ein Bild mit Juppenträgerinnen und schrieben dazu: „Wir sind im Ländle und kommen aus dem Staunen nicht heraus.“ Den Organisatorinnen (GF Daniela Keßler-Kirchmayr, Landesbäuerin Esther Bitschnau, stv. Landesbäuerinnen Marlene Steurer und Jutta Maissen, Carolina Trauner und Claudia Feurstein, GF ARGE Öster. Bäuerinnen in der LK Michaela Glatzl mit Team) war es gelungen, nicht nur eine unterhaltsame und stimmungsvolle Veranstaltung auf die Beine zu stellen, sondern auch eine, die in die Tiefe ging, hochkarätig war und viele Themen aufgriff. Das Motto des BBT „Regional verwurzelt – international vernetzt“ schwang bei den meisten dieser Themen mit – nicht zuletzt, weil die UNO 2026 zum „Internationalen Jahr der Bäuerin“ ausgerufen hat.
Ein konkretes Zeichen für die internationale Ausrichtung setzte UN-Welternährungsorganisation-Generaldirektor Qu Dongyu mit einer Videobotschaft: Darin richtete er persönliche Worte an die Bäuerinnen beim BBT und an alle Bäuerinnen in Österreich. Täglich erreichen den Generaldirektor mehrere Anfragen für Grußbotschaften, die er jedoch nicht alle annehmen kann – dass er der Anfrage des BBT folgte, ist daher eine besondere Ehre.
Auch Raschad Al‑Khafaji, Direktor des Verbindungsbüros der EU und der UN-Welternährungsorganisation (FAO), unterstrich als Vortragender die internationale Ausrichtung des BBT. „Was bedeutet das ‚Internationale Jahr der Bäuerin‘? Es geht um die Sicherung und den Fortbestand der Menschheit durch Ernährungssicherheit. Bäuerinnen sind dafür unverzichtbar“, sagte er. Aber auch bei der Anpassung an den Klimawandel spielen die Bäuerinnen eine große Rolle, so der Fachmann. „Wenn Frauen weltweit gleichberechtigten Zugang zu Land, Ressourcen und Entscheidungen hätten, könnten wir so viel mehr Menschen ernähren und mehr zum Klimaschutz beitragen.“ Abschließend erklärte er mit Blick auf den Vorabend des BBT, an dem er die Bäuerinnen als stolz, selbstbewusst und begeistert erlebt hatte: „Ihr seid Hoffnung für viele und Vorbild für uns alle.“
Wichtigster Beruf der Welt
Einen weiteren internationalen Aspekt brachte Lena Russ, Geschäftsführerin der Maschinenring-Foundation, ein. Anhand eines Beispiels aus dem Senegal zeigte sie, wie einfache Technik den Bäuerinnen Arbeitserleichterung, Zeitersparnis und ein besseres Einkommen ermöglicht. Weiters sagte sie: „Das ‚Internationale Jahr der Bäuerin‘ ist ein wichtiger Auftrag an Politik und Organisationen, um Strukturen für Frauen zu schaffen, damit sie selbstbestimmt, vernetzt und unternehmerisch tätig sein können“. Denn letztendlich gehe es darum, „den wichtigsten Beruf der Welt zu unterstützen und zu stärken: den der Landwirtin und des Landwirts.“
Für das Projekt im Senegal wurden beim BBT Spenden gesammelt – ein Zeichen dafür, dass auch das Soziale nicht zu kurz kam. Für die spirituelle Dimension wiederum sorgte Bischof Benno Elbs in seiner gewohnt herzlichen, humorvollen und sinnstiftenden Art. Er zog Verbindungen zwischen der Landwirtschaft und dem Glauben, las ein Gleichnis vom Wachsen vor, spendete den Segen und berührte so manche Teilnehmerin mit seinen Abschlussworten: „Ihr arbeitet in der schönsten Kathedrale der Welt, in der Schöpfung.“
So berührend und inspirierend dieser Satz war, bleibt zugleich die Realität bestehen: Die schönste Arbeit alleine macht nicht satt, wie alle Teilnehmenden und auch die anwesenden Politiker/-innen wussten. Bundesbäuerin und Nationalratsabgeordnete Irene Neumann-Hartberger brachte dies und weitere Herausforderungen auf den Punkt: „Österreichs Bäuerinnen sind zwar sehr gut ausgebildet, bestens vernetzt und in höchstem Maße engagiert. Gleichzeitig stellen steigende Kosten, zunehmende Gesellschaftswünsche und multiple Rollenanforderungen sie vor massive Belastungen.“ Zugleich stellte sie klar: „Ohne euch würde dieses Land nicht funktionieren.“
Die Befragung „Was die Bäuerin/Frau in der Land- und Forstwirtschaft 2030 braucht“ hat zentrale Erkenntnisse ergeben, die in einem Positionspapier zusammengefasst wurden. Die Bundesbäuerin übergab dieses Positionspapier beim BBT an Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Raschad Al-Khafaji von der UN-Welternährungsorganisation. Auch LK-Präsident Josef Moosbrugger betonte, dass er mit voller Überzeugung hinter dem Positionspapier steht und sich für die darin genannten Anliegen einsetzt. Gleichzeitig forderte er mehr monetäre Abgeltung für die Frauen: „Moosbruggerisch ausgedrückt: Bäuerinnen sind keine Multifunktionsroboter, die alles ständig leisten können. Von der Kindererziehung bis zur Pflege der älteren Generation übernehmen Bäuerinnen vieles, was in anderen Teilen der Gesellschaft längst ausgelagert wurde. Wenn Bäuerinnen das nicht auslagern, müssen wir darüber diskutieren, es entsprechend zu vergüten.“
Mehr Sichtbarkeit
Neben politischen Forderungen und internationalen Perspektiven kam auch die persönliche Ebene nicht zu kurz: Mit Sylke Herse aus Niedersachsen war eine sehr inspirierende Bäuerin beim BBT geladen. Die CERES-Award-Gewinnerin und Landwirtin des Jahres 2025 führt einen Betrieb mit Schwerpunkt Heidelbeere. Sie ist die dritte von vier Töchtern und hat den Hof von ihrem Vater übernommen. „Jahrelang wollte ich ihm der Sohn sein, den er nie hatte. Damit bin ich nicht gut gefahren. Schließlich habe ich mich gefragt, was mein Weg ist. Die Antwort darauf ist: Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Verwurzelung.“ Mit der Ausrichtung an diesen Werten stellten sich Erfolg und Zufriedenheit bei der kreativen Bäuerin ein.
Sehr viel inspirierenden Input lieferte auch Brigitta Maria Gruber von der Frauen:Fachakademie Schloss Mondsee. Ihre Mission beim BBT: Die Bäuerinnen in ihrer Einzigartigkeit stärken. Dazu lieferte sie viele Anregungen und gute Tipps: auf sich selbst achten, den eigenen Weg bewusst wählen, sich nicht von äußeren Erwartungen treiben lassen, an die eigene Stärke glauben und auch in schwierigen Phasen dranbleiben.
Zum Abschluss zeigte sich dann noch einmal die besondere Gemeinschaft beim BBT: Alle zusammen sagten laut „Wo Frauen wirken, wächst Zukunft.“ Danach standen alle auf und sangen die Bundeshymne.