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Hemmstoffe in der Milch vermeiden

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05.03.2026 | von Ing. Florian Staudinger

Wie lässt sich ein positiver Hemmstofftest in der Abliefermilch verhindern und was haben Antibiotika damit zu tun?

Reinigungsmittel Trockensteller Dippmittel.jpg © Johanna Mandl/LK Niederösterreich
Antibiotika sind für die Behandlung bakterieller Infektionen bei Menschen und Tieren nicht mehr wegzudenken. So gehören Antibiotika auch zu den am häufigsten verschriebenen und angewendeten Arzneimitteln in der Veterinärmedizin. © Johanna Mandl/LK Niederösterreich

Was sind Hemmstoffe?

Hemmstoffe sind Substanzen, die Bakterien am Wachstum hindern oder diese abtöten. In der Milchwirtschaft handelt es sich dabei zumeist um Rückstände von Antibiotika. Seit der Einführung von Penicillin sind Antibiotika für die Behandlung bakterieller Infektionen bei Menschen und Tieren nicht mehr wegzudenken. Durch die weite Verbreitung und die Häufung von bakteriellen Erkrankungen gehören Antibiotika somit auch zu den am häufigsten verschriebenen und angewendeten Arzneimitteln in der Veterinärmedizin.
Jedes Tier, das mit Antibiotika behandelt wird, muss diese Wirkstoffe verstoffwechseln und ausscheiden. Das passiert unabhängig von der Art der Erkrankung und unabhängig davon, ob das Medikament
  • über das Maul eingegeben,
  • mit Futter verabreicht,
  • über den Muskel injiziert oder
  • über das Euter/den Strichkanal
verabreicht wurde.

Hemmstoffe in Kot, Harn und Milch

Die Tiere scheiden die Hemmstoffe über Kot und Harn aus. Laktierende Kühe geben ihn auch über die Milch ab. Deshalb muss man eine Wartezeit einhalten, bevor man die Rohmilch abliefern darf.
Die Wartezeit ist auf den Präparaten aufgedruckt oder wird von der Tierärztin oder dem Tierarzt mitgeteilt. Das Einhalten der Wartezeit allein garantiert nicht, dass die Milch mit Sicherheit frei von Hemmstoffen ist.
Denn diese können noch wesentlich länger im Organismus vorhanden sein, wenn 
  • die Milchmenge niedrig ist,
  • das Tier wenig säuft und somit weniger Harn absetzt,
  • die Leber beeinträchtigt ist, zum Beispiel bei einer Fettleber durch Ketose.
Somit können die Tiere noch über die Wartezeit hinaus Hemmstoff ausscheiden.

Was beeinflusst die Wartezeit?

Wartezeiten können auch durch nicht sachgemäß verabreichte Antibiotika abweichen, zum Beispiel wenn Mengendosierung, Verabreichungsdauer oder Verabreichungsweg nicht der tierärztlichen Verschreibung entsprechen. Im besten Fall erstellt der Tierarzt oder die Tierärztin ein Antibiogramm für einen effektiven Antibiotikaeinsatz und man hält die tierärztlich empfohlene Therapiedauer auch wirklich ein.

Wird das Antibiotikum wegen einer Euterentzündung zweimal täglich für drei Tage abgegeben, so muss man das Medikament genauso lange geben, auch wenn sich der Gesundheitszustand sichtlich verbessert hat. 

Was besagt die Wartezeit?

Die Wartezeit beschreibt jenen Zeitraum, in dem ein so weit gesundes, normal konstituiertes Tier den Wirkstoff fertig ausgeschieden oder über die Leber abgebaut hat, wenn das Antibiotikum in der verschriebenen Menge verabreicht, Zeitraum und Verabreichungsweg eingehalten wurde.

Belastete Abliefermilch

In die abgelieferte Milch gelangen Hemmstoffe zumeist indirekt beim Melken, weil die Kuh die Antibiotika noch nicht vollständig abgebaut hat und diese noch immer mit der Milch abgibt. Seltener wird Milch direkt mit Hemmstoff kontaminier, zum Beispiel durch unsachgemäßes Lagern oder unvorsichtiges Hantieren.
Broschuere_Hemmstoffe_in_der_Milch

Fehler vermeiden

Damit Hemmstoffe erst gar nicht in der Rohmilch landen, handelt man am besten vorausschauend, dokumentiert und kontrolliert, um Fehler zu vermeiden. Vorbeugen kann man am besten, wenn man Biosicherheitsmaßnahmen konsequent umsetzt und Haltungsbedingungen optimiert, zum Beispiel die Belegdichte und das Stallklima. So kann man viele Erkrankungen vermeiden. Die meisten Antibiotika werden bei Eutererkrankungen eingesetzt, teilweise auch vorbeugend. Klauen- oder Infektionserkrankungen, wie Rindergrippe, behandelt die Tierärztin oder der Tierarzt ebenso mit Antibiotika.

Achtung: Auf verunreinigte Milchreste achten

Hemmstoffe werden seltener direkt in die Milch eingetragen, als durch Verschleppen von verunreinigten Milchresten. Die tatsächliche Ursache zu erforschen, kann aber herausfordernd sein. Direkt bedeutet, dass der Hemmstoff direkt in die Abliefermilch gelangt ist. Es wurde also keine "falsche Kuh dazu gemolken", oder separierte Milch irrtümlich in die Abliefermilch geschüttet. Ursachen können sein
  • unsachgemäßes Lagern,
  • zu legerer Umgang mit hemmstoffhaltigen Substanzen oder
  • Unwissen über den Hemmstoffgehalt verschiedener Produkte.

Wie lassen sich Verunreinigungen verhindern?

Im Melkstand oder in der Milchkammer gelagerte Medikamente können Hilfsmittel unbemerkt kontaminieren, wie zum Beispiel Melkhandschuhe und Milchfilter. Bei Antibiotika reichen schon kleinste Mengen für einen Eintrag. Das kann auch beim Vorbereiten von Medikamenten passieren, zum Beispiel, wenn man pulverförmige Präparate zum Einrühren in die Kälbermilch in der Milchkammer vorbereitet oder Trockensteller während des üblichen Melkvorganges verabreicht. Hier können sich kleine Mengen Wirkstoff auf Händen, Werkzeugen oder Oberflächen unbemerkt absetzen und später mit eigentlich hemmstofffreier Milch in den Tank gelangen.
Hemmstoff-Schnelltest.jpg © Romana Schneider/LK Niederösterreich
© Romana Schneider/LK Niederösterreich

Der Weg zum negativen Hemmstofftest

Ein sachgemäßer und umsichtiger Umgang mit Antibiotika kann viel dazu beitragen, dass der Hemmstofftest in der Abliefermilch negativ ist. Zusätzlich kann eine Kontrolle von behandelten Kühen eine Absicherung sein. Dafür sollte man die Milch am besten nach dem letzten Tag der Wartezeit noch einmal getrennt melken und mittels Schnelltest auf Rückstände überprüfen. Solche Schnelltests sind im landwirtschaftlichen Fachhandel erhältlich. Viele Molkereien stellen sie nach Anfrage über ihre Hofberater zur Verfügung. Wenn am Tag nach Ende der Wartezeit der Hemmstoffschnelltest negativ ist, kann man in der Regel die Kuh gefahrlos wieder dazu melken.

Aufgepasst!

Nicht jeder Schnelltest kann jedes Antibiotikum nachweisen. Man muss die Tests entsprechend dem eingesetzten Antibiotikum auswählen. Auf der Verpackung oder in der Produktbeschreibung und Anleitung wird angeführt, welche Art(en) von antibiotischen Wirkstoffen mit dem jeweiligen Produkt nachgewiesen werden können.

Viele sind bereits kombiniert und können verschiedene Antibiotika nachweisen. Zudem macht es Sinn, die Schnelltests über den Hofberater der Molkerei zu beziehen, da sie jene mitführen, welche die in der Milchwirtschaft gängigsten Antibiotika nachweisen. 

Was tun bei positivem Schnelltest?

Wenn der Schnelltest nach Ende der Wartezeit noch positiv ist, muss man erst einmal nicht in Panik verfallen. Es gibt einige Gründe, weshalb die Kuh noch Antibiotikum ausscheiden kann:
  • bei nicht sachgemäßer Anwendung von Antibiotika ohne oder entgegen der tierärztlichen Verschreibung 
  • bei Wechselwirkung mit anderen, gleichzeitig mit dem Antibiotikum verabreichten Medikamenten oder Hausmitteln 
  • bei verminderter Ausscheidung über Milch und Harn der Kuh, weil die Kuh zum Beispiel weniger Wasser gesoffen hat, als üblich 
  • bei verlangsamtem Abbau über die Leber, weil diese verfettet oder gerade mit dem Abbau anderer Stoffe überfordert ist
  • weil der Hemmstoffeintrag über eine Kontamination erfolgt und nicht über die behandelte Kuh.
Man sollte die Kuh noch ein paar Tage länger separiert melken und selbst auf Fehlersuche gehen oder bei Verdacht Rücksprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt halten. In manchen Fällen, zum Beispiel bei massiven Leberschädigungen, kann das Ausscheiden des Hemmstoffes um ein Mehrfaches länger dauern, als die festgelegte Wartezeit.

Wenn Tiere behandelt werden müssen, sollte Folgendes eingehalten werden

  • ausreichend dokumentieren
    • behandeltes Tier 
    • Arzneimittel und Arzneimittelanwender
    • Behandlungsdatum
    • Wartezeit - auf der Verpackung oder vom Tierarzt mitgeteilt
    • Datum Ende Wartezeit
  • behandeltes Tier vor dem Verabreichen markieren, zum Beispiel mit Fesselband, Halsband oder Farbspray
  • wenn möglich, die behandelte Kuh separieren
  • alle, die melken, über die behandelte Kuh informieren, zum Beispiel mit Stalltafel oder Kalender, beim Familienfrühstück oder in der Betriebs-Whatsapp-Gruppe
  • die behandelte Kuh separat melken, ideal mit eigenem Melkzeug und Sicherheitsdeckel
  • Melkzeug nach der behandelten Kuh reinigen
  • separierte Milch schnell entsorgen, zum Beispiel in die Güllegrube; nicht an Kälber verfüttern, weil sie auch für die Kälberentwicklung nachteilig ist; nie in die Nähe zur Abliefermilch in der Milchkammer bringen
  • nach der Wartezeit den Arznei-Hemmstoffschnelltest beim Einzelgemelk der Kuh durchführen, den Schnelltest erhält man über den Web-Agrarhandel oder eventuell über die Molkerei oder den Hofberater

Kurz gefasst

Hemmstoffe und Antibiotikarückstände in der Milch können viele Gründe haben. Um wirtschaftliche und Imageschäden zu vermeiden, muss man mit Antibiotika sorgsam umgehen. Das Risiko von Hemmstoffen in der Milch reduziert man mit jeder Maßnahme, die die Tiergesundheit unterstützt und Krankheiten vorbeugt ebenso wie das Vorgehen nach streng tierärztlicher Indikation, wenn Antibiotika zum Eindämmen oder Genesen von einer Krankheit einmal notwendig werden. Ein absoluter Verzicht auf diese Medikamente sollte nicht das Ziel sein, da es in einigen Fällen die erfolgversprechendste und wirtschaftlichste Therapie sein kann.

Downloads zum Thema

  • Broschüre: Hemmstoffe in der Milch – Vorbeugung und Vermeidung PDF 2,96 MB

Links zum Thema

  • Was verstehen wir unter Hemmstoffen Als Hemmstoff werden Substanzen bezeichnet, die das Wachstum von Lebewesen und Mikroorganismen hemmen oder abtötend wirken. Solche Stoffe werden deswegen auch zur Erregerbekämpfung bei Erkrankungen und Entzündungen oder zur Reinigung und Desinfektion verwendet.
  • So geht es Hemmstoffen an den Kragen Hemmstoffe können über verschiedene Wege in die Milch gelangen. Antibiotika bilden dabei die wichtigste Gruppe möglicher Rückstände in der Rohmilch. Der Einsatz von Antibiotika wird teilweise kritisch ins Visier genommen.
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