Die 3. Fachtagung der österreichischen Indoor-Aquakultur fand am 5. Mai 2026 bei der "Hofzeit" in Rottenbach im Bezirk Grieskirchen statt. Veranstaltet wurde die Tagung vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI NÖ) unter der Schirmherrschaft des Österreichischen Indoor Aquakultur Vereins (ÖIAV), der 2023 gegründet wurde und bereits kurz danach ein eigenes Weiterbildungs- und Vernetzungsformat für die junge Sparte initiiert hat. Im Mittelpunkt standen Tierwohlaspekte beim Afrikanischen Wels, Beratungsangebote, Vermarktung und die Frage, welche Rahmenbedingungen es für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Indoor-Aquakultur in Österreich braucht.
Vor der Fachtagung fand die Generalversammlung des ÖIAV statt, bei der die Mitglieder die weitere Entwicklung der 2023 gegründeten Interessenvertretung diskutierten. Im Zuge der Neuwahl wurde Marlies Haas einstimmig zur neuen Schriftführerin gewählt. Sie übernimmt die Funktion von Michael Plöckinger (ehemals Böhmerwald Fisch), der den Aufbau des Vereins seit seiner Gründung mitgestaltet hat. Obfrau Eva Keferböck sprach Plöckinger ihren Dank für sein großes Engagement aus und hieß Marlies Haas im Vorstand herzlich willkommen.
Zum Auftakt der Tagung zeigte Spitzenkoch und Gastronom Mike Nährer vom Gasthaus Nährer (NÖ, Bezirk St. Pölten), worauf es ankommt, wenn heimischer Fisch erfolgreich in der regionalen Gastronomie etabliert werden soll. Entscheidend seien nicht nur Qualität und Regionalität, sondern auch Flexibilität, passende Mengen, saisonale Angebote und eine verlässliche Kommunikation zwischen Produzentinnen bzw. Produzenten und Gastronomie. Wer in die Gastronomie liefern möchte, müsse deren Abläufe und Bedürfnisse kennen. Gleichzeitig machte Nährer deutlich: Je öfter guter regionaler Fisch auf den Tellern landet, desto stärker wächst auch die Nachfrage danach.
Im Themenblock "Neuigkeiten aus der Indoor-Aquakultur" berichtete ÖIAV-Obfrau Eva Keferböck über aktuelle Entwicklungen der Branche. Die neu erarbeitete Handlungsempfehlung des ÖIAV zur Haltung, Betäubung und Schlachtung von Afrikanischen Welsen wurde in der Entwurfsfassung von Gottfried Pichler vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Damit setzt der junge Fachverband ein klares Zeichen für hohe Tierwohlstandards und eine praxisgerechte Umsetzung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Max Hörmann, Veterinärmediziner und Vertreter der LK Österreich im Österreichischen Tierschutzrat, würdigte das Engagement des ÖIAV sowie den offenen Austausch zwischen Praxis, Fachtierärzteschaft und Wissenschaft. Dieser sei ein wesentlicher Baustein, um Tierwohlstandards kontinuierlich weiterzuentwickeln und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen.
Benedikt Berger gab anschließend einen Überblick über die bundesländerübergreifenden Beratungsangebote der Landwirtschaftskammern.
Melanie Haslauer, verantwortlich für die LK-Bildungsangebote zur Aquakultur, ordnete die Entwicklung der heimischen Indoor-Aquakultur in den Nationalen Strategieplan ein und zeigte auf, wo Anspruch und Umsetzung derzeit noch auseinanderliegen.
ÖIAV-Obfrau Eva Keferböck betonte als Moderatorin der Tagung die Bedeutung von Netzwerk und Ausbildung: "Die Indoor-Aquakultur ist eine junge, innovative Sparte. Gerade deshalb sind Austausch, Weiterbildung und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend. Die Betriebe investieren viel Know-how, Zeit und Kapital. Damit das Potenzial der Indoor-Aquakultur ausgeschöpft werden kann, braucht es verlässliche und praxistaugliche Genehmigungsverfahren, Investitionssicherheit und ein starkes Netzwerk innerhalb der Branche.“
Ein besonderer Praxisteil war die Vorstellung und Besichtigung der "Hofzeit" durch Geschäftsführer Philipp Flör. Er gab Einblick in das Betriebskonzept mit Aquaponik, Outdoor-Teich, Hofladen, regionaler Vermarktung und weiteren Standbeinen wie der Pilzzucht. Besonders stark nachgefragt seien die Geschenkkörbe mit regionalen Produkten sowie das "Hofzeitkistl" - ein regelmäßig wechselndes Produktangebot, das jeweils mit Rezepten kombiniert wird. Flör hob auch den offenen Austausch innerhalb der Branche hervor: Der Zusammenhalt sei groß, Fragen würden unkompliziert besprochen, und genau dieses Miteinander helfe jungen Betrieben in deren Weiterentwicklung.
Die Tagung machte deutlich, dass Indoor-Aquakultur weit mehr ist als Technik und hochwertige Lebensmittelproduktion: Sie lebt von hoher fachlicher Kompetenz, einem starken Netzwerk, verantwortungsvollem Umgang mit den Fischen und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen.
Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) 2021-2027 unterstützt.