Die siebenköpfige Familie Vögel aus Krumbach hat mit viel Eigenleistung einen neuen, tiergerechten und gut durchdachten Stall gebaut. Ein Besuch vor Ort.
Mittags gegen 13 Uhr im neuen Stall von Bernhard und Isabella Vögel in Oberkrumbach: Die 35 behornten Brown-Swiss-Kühe der Familie stehen am Futterband und fressen ihr Heu. Leise Kaugeräusche sind zu hören. Nur etwa einen Meter vor den Köpfen der Tiere verläuft eine Front mit Hubfenstern, die einen schönen Blick auf das Dorf ermöglichen und viel Licht in den Stall bringt. Das Heu wurde durch einen Schacht vom Stock darüber auf das Futterband geworfen und von dort aus automatisch verteilt. „Das Futterband ist wirklich super“, sagt Bernhard. Auch mit den Hubfenstern aus Isolierglas ist er sehr zufrieden. Bis zur Hälfte lassen sie sich herunterfahren, unten – in direkter Nähe zum Futterband – sind sie fix verglast. Diese Fixverglasung ist sehr praktisch, weil sie das Heu vor Wind, Regen und Schnee schützt. Das Isolierglas wiederum hält die Kälte draußen. Der Verzicht auf Curtains hat sich in puncto Kälte ebenfalls bewährt, ist der Bauer überzeugt: „Bei uns scheint im Winter keine Sonne, und deshalb kann es sehr kalt werden. Heuer im Jänner hatten wir zum Beispiel minus 17 Grad. Trotzdem sind weder Wasser noch Mist gefroren.“ Umgekehrt hilft das Isolierglas natürlich auch bei warmen Temperaturen. Öffnen die Krumbacher zudem die drei Auslauftore und die Hubfenster, bleibt es angenehm im Stall. Im Sommer selbst sind sie sowieso nicht in Krumbach, sondern sie ziehen mit ihren Tieren auf die Sennalpe Spicherhalde in Balderschwang.
Warum Familie Vögel einen neuen Kuhstall wollte, ist schnell erklärt: Im alten Stall wurde es für Kühe, Jungvieh, Maschinen und Heu zu eng. Außerdem sollte der Betrieb zukunftsfit gemacht werden. „Stehenbleiben geht nicht“, erklärt Bernhard. Als er und seine Frau im Jahr 2020 das Dach des Altbestandes erhöhten und erneuerten, dachten sie bereits an einen Neubau nebenan und ließen deshalb eine Kranverbindung vorsehen. Die Planungen begannen also bereits damals. Sie zogen sich dann jedoch sehr in die Länge, weil die Gemeinde und die Landesraumplanung Einwände wegen des Landschaftsbildes einbrachten. Der Stall am Hang wäre zu hoch, hieß es unter anderem. Bernhard und Isabella gaben jedoch nicht auf, und mit der Unterstützung von Architekt Hermann Kaufmann sowie dem Planungsservice der LK konnte der Neubau – mit einigen wenigen Abschlägen – umgesetzt werden. Gebaut wurde schließlich von Mai 2024 bis April 2025. Vögels haben dabei viel Eigenleistung erbracht und das meiste Holz aus eigenen Wäldern verwendet. „Unser Sohn Felix war sehr viel auf der Baustelle“, erzählt Bernhard zudem. Damit zurück in den Stall: Die Fresszeit ist mittlerweile vorbei. Es ertönt ein Klick und die Fressgitter öffnen sich. Sofort entfernen sich fast alle Kühe vom Fressstand. Einige laufen gemächlich herum, eine Kuh steuert auf den Kraftfutterstand zu, eine andere geht zur Putzbürste. Nach einigen Minuten legen sich die ersten Tiere in die Liegeboxen. Es wirkt ruhig und friedlich.
Dieser Friede herrscht jedoch nicht immer: Siedelt eine Kalbin nach der ersten Geburt aus dem Altbestand – wo Jungvieh, Kälber und Schweine stehen – in den Laufstall, wird sie von den anderen Kühen nicht geduldet und teilweise attackiert. „Mobbing“ nennen Bernhard und Isabella das. „Bei unseren Hornkühen ist das im Laufstall ein großes Thema. Im Anbindestall gab es das nicht“, sagt die Bäuerin. Wenn junge Kühe bedrängt werden, können sie beim Kopfbereich in die Mitte ausweichen. Dieser Bereich wurde extra breit gebaut. Auch sonst bietet der Stall viel Platz: „Für die große Fläche haben wir wenig Kühe. Das ist sehr wichtig“, erklärt Bernhard. Die Fressgitter wurden ebenfalls für die behornten Tiere angepasst: Sie sind mit 85 Zentimetern breiter als üblich und öffnen sich nach oben hin. „Das funktioniert super“, sagt Isabella. Ihr Mann ergänzt: „Der Stall wurde so gebaut, dass er für Hornkühe möglichst gut passt. Es ist trotzdem nicht immer einfach.“
Grundsätzlich beobachten die beiden aber, dass die Kühe im neuen Stall entspannter sind. Für die Betreiberfamilie – zu der neben den Eltern die Kinder Felix, Julian, Ramona, Sarah, Lorenz und Großvater Fridolin gehören – bringt das neue Gebäude eine große Arbeitserleichterung. Mit dem Melkstand für neun Kühe ist das Melken schnell erledigt, und auch das Füttern geht rasch von der Hand. Sehr zufrieden sind Vögels zudem mit dem Heukran. Über eine überdachte Brücke transportiert er Heu und Stroh zur neuen Halle. „Ich freue mich jeden Tag über die Kranverbindung und das ausgeklügelte Fütterungssystem“, sagt Bernhard. Energetisch ist der Betrieb ebenfalls gut aufgestellt: Ein Großteil des Stroms stammt aus der eigenen PV-Anlage. Gut durchdacht ist das System auch bezüglich Mist und Jauche. Sie gelangen vom Stall im Obergeschoß in den Keller, der in den Hang gebaut ist. Direkt daneben steht eine Garage, in der viele Maschinen Platz finden. Beide Räume sind gut zugänglich. Nach getaner Arbeit wird das Holztor geschlossen, sodass sich das Gebäude ruhig in den Hang einfügt. Apropos Hanglage: Sie war durchaus eine Herausforderung, wie Bauleiter Daniel Muxel vom LK-Planungsservice sagt. „Durch eine gute Planung wurde der Neubau optimal ins Gelände eingebettet. Das hat teure Sicherungsmaßnahmen erspart“, erklärt er. Im Februar 2022 wandten sich Bernhard und Isabella erstmals an den Bereich „Bau & Planung“ der Landwirtschaftskammer. „Das Team war bei der Detailplanung sehr gut und hat sich sehr bemüht“, fasst Bernhard die Erfahrungen mit der LK zusammen. Zusätzlich profitierte die Krumbacher Familie in der Planungsphase von zahlreichen Besichtigungen anderer Ställe. Genau das raten sie auch anderen Bäuerinnen und Bauern, die ein Bauvorhaben planen. Ein weiterer Tipp von Bernhard: „Der verfügbare Platz sollte voll ausgenützt werden. Wir haben deshalb drei Stockwerke unter einem Dach.“ Wichtig sei außerdem: „Beim Bau sollte immer jemand vor Ort sein, der in die Planung eingebunden war“.
Bernhards Fazit zum neuen Stall: „Wir sind froh darum. Es hat sich gelohnt, dafür zu kämpfen.“ Schließlich soll der Stall auch langfristig bestehen und eine Grundlage für die nächste Generation bieten: Die fünf Kinder im Alter zwischen acht und 20 Jahren sind sehr an der Landwirtschaft interessiert. Eines hat das BSBZ bereits abgeschlossen, zwei besuchen zur Zeit die Landwirtschaftsschule. „Mit dem neuen Stall sind wir zukunftsfit für die nächste Generation“, sagt Bernhard.