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Ein Drittel der Höfe sind Direktvermarkter

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09.04.2026 | von Alexandra Feuerstein, Beraterin Direktvermarktung

Die Direktvermarktung spielt in der österreichischen Landwirtschaft eine zentrale Rolle.

Direktvermarktung.jpg © Netzwerk Kulinarik/Melanie Rutschek
Josef und seine Familie brennen für die Kundinnen und Kunden, die Tiere und ihre Produkte. Das spürt man bei jedem Einkauf am Zangerlhof. © Netzwerk Kulinarik/Melanie Rutschek
Von rund 107.000 Betrieben, die über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) gefördert werden, betreiben etwa 28 Prozent, das sind rund 30.000 Betriebe, Direktvermarktung. Diese Form der Vermarktung bietet Landwirtinnen und Landwirten die Möglichkeit, ihre Produkte direkt an Konsumentinnen und Konsumenten zu verkaufen, und schafft gleichzeitig zusätzliche Einkommensquellen sowie Arbeitsplätze am Hof. Dadurch wird die Wertschöpfung der landwirtschaftlichen Urproduktion deutlich gesteigert und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Betriebe gestärkt.
Die wirtschaftlichen Vorteile der Direktvermarktung sind vielfältig. Landwirtinnen und Landwirte können Zusatzeinkommen erwirtschaften, die betriebliche Wertschöpfung steigern und durch die direkte Vermarktung faire Preise für ihre Produkte erzielen. Besonders für Vollerwerbsbetriebe bietet die Direktvermarktung eine zukunfts- und krisensichere Einkommensbasis. Darüber hinaus entstehen durch die Direktvermarktung neue Arbeitsplätze am Hof, die oft flexibel gestaltet werden können und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

Hohes Vertrauen

Für Konsumentinnen und Konsumenten schafft die Direktvermarktung Transparenz und Vertrauen. Sie ermöglicht direkte Einblicke in die Produktion von Lebensmitteln, fördert die Wertschätzung für regionale Produkte und stärkt das Vertrauen in die österreichische Landwirtschaft. Landwirtinnen und Landwirte profitieren zudem von direktem Kundenkontakt, Rückmeldungen zu ihren Produkten und der Möglichkeit, ihr Alleinstellungsmerkmal hervorzuheben.
Die Vorteile der Direktvermarktung reichen von der Nähe zum Verbraucher über höhere Wertschöpfung für die Produzent/-innen bis hin zur Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Kurze Transportwege sorgen zudem für frischere Produkte und eine geringere Umweltbelastung. Die Direktvermarktung zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Produkten aus, von Fleisch, Fleischwaren, Obst, Gemüse und Eiern bis hin zu traditionellen sowie innovativen Spezialitäten. Neben dem klassischen Ab-Hof-Verkauf gewinnen alternative Verkaufswege wie Gastronomie, Handel, Online-Shops, Zustell-Abos und Gemüsekisten zunehmend an Bedeutung. Auch Kooperativen erfreuen sich steigender Nachfrage.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass 28 Prozent der österreichischen Landwirtschaftsbetriebe zumindest einen Teil ihrer Produkte direkt vermarkten. Das Einkommen aus Direktvermarktung beträgt durchschnittlich rund ein Drittel des landwirtschaftlichen Einkommens, bei etwa 17.000 Betrieben übersteigt es sogar 51 Prozent. Im Durchschnitt beschäftigt jeder Direktvermarktungsbetrieb eine Vollzeitarbeitskraft, rund drei Viertel des Umsatzes werden direkt vor Ort mit Konsumentinnen und Konsumenten in einem Umkreis von 50 Kilometern erzielt. Trotz des guten Images bei den Konsument/-innen liegt der Marktanteil bäuerlicher Produkte bei nur 2,6 Prozent. Die Sichtbarkeit und gemeinsame Vermarktung der Direktvermarktungsbetriebe ist daher entscheidend, um im vom Lebensmitteleinzelhandel dominierten Markt bestehen zu können.

Bedeutung nimmt zu

Für 39 Prozent der Betriebe hat die Bedeutung der Direktvermarktung zugenommen, für 46 Prozent ist sie stabil geblieben. Insgesamt sehen 83 Prozent der Landwirtinnen und Landwirte die Direktvermarktung als Chance für die Zukunft. Wachstumspotenziale liegen in Neueinsteiger/-innen, innovativen Produkten und Techniken, Kooperationen sowie gemeinsamer Nutzung von Betriebs- und Verkaufsflächen, Maschinen oder Lieferfahrzeugen. Herausforderungen bestehen vor allem in der Logistik, etwa bei Zustell-Abos, Internetverkauf oder Kooperationen, da die „letzte Meile“ nach wie vor zeit- und kostenintensiv ist.
Erfolgreiche Direktvermarktung erfordert persönliche Eigenschaften wie ausreichend Zeitressourcen, Offenheit für Trends und Kundenerwartungen sowie die Bereitschaft zur laufenden Weiterbildung. Schulungen zu Lebensmittelhygiene, Allergeninformation, Qualitätsmanagement, Kennzeichnung, Verarbeitung, Marketing und Wirtschaftlichkeitsberechnung sind notwendig, einige dieser Kenntnisse werden bereits durch die landwirtschaftliche Ausbildung vermittelt.

Kundennähe zählt

Die Zielgruppe der Direktvermarktung sind Betriebe, die für ihre Produkte brennen, den direkten Kontakt mit Konsument/-innen schätzen und bereit sind, kreativ zu sein. Erfahrung zeigt, dass kleine Investitionen zu Beginn, gepaart mit guten Ideen, oft erfolgreicher sind als große Anfangsinvestitionen. Die Freude am Verkauf von hochwertiger Ware und der direkte Rückfluss von Kundenzufriedenheit sind entscheidende Motivatoren.
Unterstützt werden die Betriebe durch den Verband bäuerlicher Direktvermarkter Österreich – Gutes vom Bauernhof, der rund 5.000 Mitglieder umfasst. Etwa 1.900 Betriebe sind nach der staatlichen Gütesiegelrichtlinie „AMA Genuss Region“ zertifiziert, rund 1.600 davon nehmen am Qualitätsprogramm „Gutes vom Bauernhof“ teil. Die Marke wird von der Landwirtschaftskammer Österreich vergeben und ermöglicht den Betrieben einen einheitlichen Auftritt, der die Vielfalt und Qualität der österreichischen Direktvermarktung sichtbar macht.
Weitere Informationen, Beratungen und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten die Landes-Landwirtschaftskammern sowie das Ländliche Fortbildungsinstitut. Ergänzend gibt es Online-Schulungen zu Lebensmittelsicherheit, Allergeninformation und weiteren relevanten Themen. Erfolgsgeschichten, Netzwerk- und Kooperationsangebote sowie Plattformen zur Betriebssuche runden das Angebot ab. Die Direktvermarktung ist nicht nur ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, sondern auch ein Beitrag zu regionaler Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und Stärkung der österreichischen Landwirtschaft.
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