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Dürre Hilfspaket geschnürt

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31.08.2026 | von LK Vorarlberg Redaktion

Mit einem 240-Millionen-Euro-Hilfspaket federt die Bundesregierung historische Trockenschäden in der Landwirtschaft ab.

Dürre.jpg © LKÖ
LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger hat sich in den letzten Wochen österreichweit vor Ort über die Dürreschäden informiert. © LKÖ
Die vergangenen zwölf Monate waren die trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen 1850. Die extreme Trockenheit hat in der heimischen Landwirtschaft historische Schäden verursacht. Laut Österreichischer Hagelversicherung beläuft sich der Gesamtschaden bereits auf über eine Milliarde Euro. Mit einer weiteren Verschärfung der Lage ist zu rechnen. Betroffen sind das gesamte Bundesgebiet und sämtliche landwirtschaftliche Kulturen in unterschiedlichem Ausmaß. Das 240-Millionen-Euro-Paket der Regierung bringt spürbare Entlastung durch eine einmalige Erhöhung des Prämienzuschusses zur Dürreversicherung in der Hagelversicherung, temporäres Aussetzen der Sozialversicherungsbeiträge, Zinszuschüsse bei Betriebsmittelkrediten und Stundungen bei Agrarinvestitionskrediten.
„Ich bin froh, dass dieser Abschluss gelungen ist, auch wenn die ursprüngliche Forderung bei 250 Millionen Euro lag. Allen aber, die jetzt meinen, die Bauern hätten es sich wieder gerichtet, sage ich klar: Nein. Das Ziel wurde deutlich verfehlt. Tatsache ist, dass die Bauernfamilien den größten Teil des Schadens selbst tragen müssen“, erklärt LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger. 
„Alle Bauern, die heuer dieses extreme Ausmaß der Dürre erlebt haben, werden künftig wohl eher bereit sein, in das Versicherungssystem einzusteigen. Langfristig wünsche ich mir, dass der Bund seinen Anteil erhöht. Es ist dringend notwendig, diese Risikovorsorge leistbar zu halten, aber sie gehört auch zur Eigenverantwortung der Betriebe. Gleichzeitig dürfen wir nicht so tun, als würde eine Versicherung sämtliche Schäden abdecken. Die Hagelversicherung ersetzt den Flächenschaden – und selbst dort ist kein Gewinn enthalten. Darüber hinaus gibt es viele weitere Schäden: eingegangene Jungpflanzen, abgebaute Tierbestände oder künftig fehlende Milchliefermengen. Für vieles davon gibt es gar keine Versicherungsmöglichkeit. Wenn auch der Bankensektor nun finanzielle Hilfen anbietet, ist das zu begrüßen, aber die Banken wissen auch, wer ihre verlässlichen Partner sind“, so Moosbrugger (siehe Factbox am Ende des Artikels).

Aktiver Klimaschutz

Die österreichische Landwirtschaft leistet seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Rund 80 Prozent der Betriebe nehmen freiwillig am Österreichischen Agrarumweltprogramm teil und setzen damit gezielt Maßnahmen für Klima, Umwelt und Biodiversität um. Gleichzeitig wird auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels konsequent vorangetrieben, etwa durch die Züchtung trockenheitstoleranter Sorten oder die Förderung effizienter Bewässerungssysteme und nachhaltiger Bewirtschaftungsmethoden. Landwirtschaft und Forstwirtschaft verfügen über enormes ungenutztes Potenzial, um fossile Energie durch erneuerbare Energie zu ersetzen.

Bergbauern-Euro

„In manchen Regionen müssen Tourismus und Landwirtschaft noch enger zusammenarbeiten – nicht nur in Worten, sondern auch in der Praxis. Gerade in Tourismusregionen hängt die Zukunft beider Bereiche zusammen. Ohne die kleinstrukturierte Landwirtschaft gäbe es die gepflegte Kulturlandschaft nicht mehr. Und ohne diese Landschaft verliert auch der Tourismus seine Grundlage. Hier einen kleinen Landschaftsbeitrag von z. B. einem Euro pro Übernachtung zu erheben, wäre für die Urlauber kaum ein Problem, und sollte von Wirtschaftsvertretern nicht reflexartig verteufelt werden“, so der Präsident.
Für Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig war von Beginn an klar, dass es angesichts der außergewöhnlichen Situation zusätzliche Unterstützung braucht. Nach langen intensiven Verhandlungen konnte eine Einigung auf ein umfassendes Dürre-Hilfspaket beschlossen werden, das kurzfristig hilft und langfristige Weichen stellt. 
„Die darin enthaltenen Maßnahmen schaffen Entlastung und für alle Maßnahmen gibt es konkrete Pläne, wie sie gegenfinanziert werden. Ebenso wurde eine Einigung auf ein Klimagesetz erreicht. Das ist ein Meilenstein zum Schutz des heimischen Klimas. Österreich soll 2040 klimaneutral sein“, so Totschnig und weiter:  „Für uns war völlig klar, dass wir so lange verhandeln, bis wir eine tatsächliche Lösung erzielen. Wenn eine historische Dürre ganze Existenzen bedroht, braucht es rasche und wirksame Hilfe.“

Vier zentrale Maßnahmen für eine rasche Entlastung wurden beschlossen

  • Einmalige Erhöhung der Prämienzuschüsse zur Dürreversicherung. Um einen Anreiz zur Versicherung zu schaffen, werden die öffentlichen Prämienzuschüsse in der Dürreversicherung der Österreichischen Hagelversicherung 2027 einmalig um zehn Prozent auf 65 Prozent erhöht. Auch bei Neueintritten in diesem Jahr kommt es zu Prämienzuschüssen. Insgesamt eine Summe von 50 Millionen Euro, finanziert durch Bund und Länder.
  • Ein wichtiger Teil des Hilfspakets ist die Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Sie bringt den landwirtschaftlichen Familienbetrieben eine spürbare Entlastung. Dafür wurden 140 Millionen Euro ausverhandelt. Diese Maßnahme ist gegenfinanziert durch eine Reduktion der Hebesätze bis 2031.
  • Vergünstigte Betriebsmittelkredite sichern Liquidität. Beim Grünland wird mit einem Ertragsrückgang von mindestens 33 Prozent gerechnet, beim Silomais von mindestens 25 Prozent. Gleichzeitig steigen die Preise für Grundfuttermittel. Viele landwirtschaftliche Betriebe müssen deshalb Futter zukaufen und brauchen dafür ausreichend finanzielle Mittel. Um die Liquidität der Betriebe zu sichern, wird deshalb ein breit angelegtes Modell für Betriebsmittelkredite geschaffen. Damit können notwendige Ausgaben wie der Zukauf von Futter oder Saatgut finanziert werden. Bund und Länder stellen insgesamt 25 Millionen Euro für Zinszuschüsse zur Verfügung. Dadurch kann ein Kreditvolumen von bis zu 300 Millionen Euro mobilisiert werden.
  • Der Agrarinvestitionskredit, kurz AIK, ist seit Jahren ein wesentliches Instrument zur Weiterentwicklung der österreichischen Landwirtschaft. Jährlich werden rund 1.500 landwirtschaftliche Betriebe damit unterstützt, dadurch wurden Investitionen von rund 1,8 Milliarden Euro ausgelöst. Insbesondere in der aktuellen Situation setzt die Möglichkeit einer Stundung unmittelbar bei den finanziellen Verpflichtungen der Betriebe an und es bleibt kurzfristig mehr Geld am Betrieb. Für diesen Bereich sind 25 Millionen Euro vorgesehen. Auch hier leisten die Länder einen Anteil.

Finanzierung

Die Bundesregierung hat versucht, die Notwendigkeit kurzfristiger Hilfen mit der Notwendigkeit der mittel- und langfristigen Budgetsanierung in Einklang zu bringen. Die Gegenfinanzierung erfolgt über eine vorübergehende Senkung des nicht für das laufende Budget benötigten Anteiles der Bundeszuschüsse zur bäuerlichen Sozialversicherung. 
Das hat keine Auswirkungen auf die Ausfinanzierung der Leistungen der Krankenversicherung und auch nicht auf die Höhe der Beiträge der Landwirte. „Dieses Bundesgeld wird zur Finanzierung des Dürrepakets eingesetzt und zwar so, dass weder das Bundesbudget noch die Sozialversicherung davon einen Schaden tragen und den bäuerlichen Familien damit rasch und effizient geholfen ist“, fasst der LKÖ-Präsident zusammen. 
„Entgegen mancher parteipolitisch motivierter und falsch dargestellter Behauptungen kommt das Geldvolumen für das jetztige Gesamtpaket – über fünf Jahre verteilt – von Bundeszuschüssen, die derzeit nicht für die laufenden Budgets der Sozialversicherung gebraucht werden und nun vorübergehend reduziert werden. Damit ist klargestellt: Das ist kein Bauerngeld, sondern es wird der Bundeszuschuss vorübergehend für fünf Jahre um jeweils 50 Millionen Euro reduziert“, stellt Moosbrugger klar. 
Die Finanzierung des Risikoversicherungsanreizes erfolgt analog zur bestehenden Prämienförderung zu gleichen Teilen durch Bund und Länder. Über die unmittelbaren Entlastungsmaßnahmen hinaus hat sich die Bundesregierung im Rahmen des Dürrepakets darauf verständigt, zentrale umwelt- und klimapolitische Vorhaben voranzutreiben. Das Klimagesetz, eine Novelle zur Beschleunigung von Umweltverträglichkeitsprüfungen und das Carbon-Capture-and-Storage-Gesetz werden zeitnah in Begutachtung geschickt. Beim Bodenschutz wird zudem bis Ende 2026 ein Zielpfad mit Maßnahmen für die Erreichung des 2,5-Hektar-Ziels erarbeitet.

Raiffeisen unterstützt Vorarlberger Landwirte bei Dürre-Schäden

Die Trockenheit der vergangenen Wochen hat Vorarlbergs Landwirte hart getroffen. Die Folgen treffen Bauern im ganzen Land und stellen sie auch vor finanzielle Schwierigkeiten. 
„Hier wollen wir anpacken und den Vorarlberger Bäuerinnen und Bauern zur Seite stehen“, erläutert Manfred Miglar, Marktvorstand der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg. In kürzester Zeit haben die heimischen Raiffeisenbanken deshalb den Soforthilfe-Kredit gegen die Folgen der Dürre ins Leben gerufen. Mit ihm kommen Vorarlbergs Landwirte rasch und unkompliziert zu einem zins- und spesenfreien Kredit. „So können wir dazu beitragen, finanzielle Mehrbelastungen für den Zukauf von Futtermitteln, aber 
auch Ertragseinbußen von Bäuerinnen und Bauern abzufedern.“

Schnelle Hilfe und einfache Beantragung
Der Raiffeisen Soforthilfe-Kredit schafft eine erste Abhilfe bei der Überbrückung finanzieller Engpässe infolge der Dürreperiode. Landwirte bekommen mit ihm bis zu 30.000 Euro endfällig über eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren zins- und spesenfrei. Die genauen Konditionen und Bedingungen zur Beantragung sind bei allen Vorarlberger Raiffeisenbanken zu bekommen. „Wir helfen jedenfalls schnell und unbürokratisch“, verspricht Raiffeisen Vorstand Manfred Miglar.

Weitere Infos unter raiba.at/soforthilfe 
 
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